Herbstmeister

Zum Auswärtskampf gegen die 2. Mannschaft des MSA Zugzwang können wir bequem mit der S-Bahn fahren. Der Verein bestreitet seine Heimspiele in den Räumlichkeiten der Münchener Schachakademie am Isartor. Dort wimmelt es von Schachtischen, Demobrettern und Schachlehrbüchern. Dass man im Schach nie auslernt, zeigt auch der heutige Wettkampf mit 16 gestandenen Landesligaspielern wieder – da geht doch so Einiges schief!

Mit seinem starken Bauernzentrum hat Ron die besseren Aussichten im Mittelspiel, als sein Gegner das zunächst skurril anmutende Bauernopfer 21…La6!? serviert. Dadurch wird eine Serie von Abtauschen initiiert, in dem entstehenden Endspiel hat Schwarz mit seiner aktiven Figurenaufstellung gute Remischancen. Tatsächlich ist der schwarze Plan gar nicht einfach zu durchkreuzen. Ron gelingt es jedenfalls nicht, schon bald ist die Punkteteilung unausweichlich.

Bertl wählt einen zurückhaltenden Aufbau und überlasst dem Nachziehenden kampflos die Initiative. Sein Gegner baut eine mächtige Bauernphalanx auf und dominiert bald das ganze Brett. Das etwas überraschende Remisgebot nach 19 Zügen kommt Bertl nicht ungelegen.

Tobi ist der erste unserer Schwarzhelden heute. Geduldig tauscht er in einem eher zähen Franzosen das Material runter und spielt seinen Gegner im Leichtfigurenendspiel aus. Dann verabschiedet er sich mit einem staatsmännischen „Veni, vidi, vici“.

Auch Uli legt sich mit den schwarzen Steinen auf die Lauer. Bei beginnender Zeitnot unterläuft seinem Gegner mit 31.cxb5? ein schwerwiegender Fehler. Uli lässt sich nicht lange bitten und zerlegt die weiße Stellung in wenigen Zügen.

Christian verirrt sich früh im Dickicht einer komplizierten Eröffnungsvariante. Nachdem sein Gegner die Keule 13.La3! auspackt, liegt seine Stellung in Trümmern. Irgendwie schleppt er die Partie noch weiter und hofft auf ein Adventswunder – vergeblich. Eine starke Vorstellung des Zugzwanglers und nur noch 3:2.

Am Spitzenbrett reißt Karstens Gegner ausgangs der Eröffnung mit einem vorübergehenden Bauernopfer die Initiative an sich. Das damenlose Mittelspiel ist heikel und will präzise verteidigt sein. Karsten erledigt diese Aufgabe souverän und hält das Unentschieden.

Tom bringt als dritter Schwarzheld unseren Mannschaftssieg in trockene Tücher. In einem unkonventionellen Königsinder ringen die Kontrahenten längere Zeit um die Initiative. Kurz vor der Zeitkontrolle entgleitet seinem Gegenspieler die Partie und Tom zertrümmert die weiße Stellung mit einigen Kraftzügen.

Mario nutzt die Gelegenheit zu einem Erinnerungsgruß an Andi. Dieser gewann 2015 im Oberliga-Match gegen den Passauer FM Testor mit der gleichen Eröffnungsfalle einen Bauern – es war Andis letzte Turnierpartie. Mario kann den Mehrbauern nicht verwerten und muss am Ende sogar froh sein, den halben Punkt zu retten.

Mit nur einer Ausnahme tun sich die Anziehenden in diesem Wettkampf überraschend schwer. Während die Gröbenzeller ihre Weißpartien allesamt immerhin unentschieden gestalten können, geben die Zugzwangler gleich drei Weißpartien ab. Das genügt für unseren 5:3-Mannschaftserfolg und die Tabellenführung vor der Weihnachtspause. Im Januar geht es dann gleich weiter mit dem Spitzenduell gegen Tarrasch München.

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

(cg, 09.12.2019)